Dokumentarfilm (ca. 90 min.) von Martin Keßler
über die Proteste zum G 8-Gipfel in Heiligendamm
Der Film:

Juni 2007. Ostseebad Heiligendamm. Der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik. Über 17000 PolizistInnen, selbst die Bundeswehr, "sichern" das rituelle Gipfeltreffen der "mächtigsten Frau und Manner der Welt", den sogenannten "Weltwirtschaftsgipfel".
Trotzdem gelingt es circa 12000 GlobalisierungskritikerInnen immer wieder, die wichtigsten Zufahrtsstraßen zum hermetisch mit Zaun und Stacheldraht abgeriegelten Tagungsort zu blockieren. Und ihre Kritik an dem gegenwärtigen Weltwirtschaftssytem und Ihre Alternativen öffentlich zu machen. Obwohl zunächst das "Chaos von Rostock", Politikerrufe nach Gummigeschossen und GSG 9 gegen die "Steinewerfer von Rostock", die Schlagzeilen beherrschen.
Der Dokumentarfilm neueWUT III – DAS WAR DER GIPFEL! kann und will die Frage nach der Rolle staatlicher Undercover-Agenten bei den Protesten in Heiligendamm nicht beantworten. Auch nicht die vielen Fragen nach Verhalten und Rolle des sogenannten "schwarzen Blocks". Aber er will die Bedeutung dieser Fragen aufzeigen.

Vor allem will der Film eine "Chronik der laufenden Ereignisse" liefern, das Geschehen während "der Tage von Rostock und Heiligendamm" nachzeichnen. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte und der DemonstrantInnen. Und die vielen Aktionen und Veranstaltungen, in denen es um die Auswirkungen von Globalisierung und weltweiter Privatisierung auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen geht:
Aktionen, wie die vor dem Lidl Markt in Rostock-Lütten Klein, wo AktivistInnen von ver.di, attac und der spanischen Landarbeitergewerkschaft versuchen, die Lidl-Kunden aufzurütteln: über "schlechte Arbeitsbedingungen in Deutschland und Hungerlöhne auf den Tomatenfeldern Andalusiens", woher die Lidl-Tomaten kommen,
oder der Austausch beim Campen zwischen Gewerkschaftsjugend und StudentInnen, AnwohnerInnen und angereisten "Gipfelblockierern",
die Kunstaktion "art goes Heiligendamm" direkt am Zaun, bei der DorfbewohnerInnen und KünstlerInnen neben PolizistInnen und Kameraleuten zu Akteuren eines politischen Kunsthappenings werden: über Beobachten und Beobachtetet werden, Aus- und Abgrenzung, "politische Zäune" und andere Sperranlagen,
die Diskussionen bei der Eröffnung des Alternativgipfels.
Bei alledem wird deutlich werden, dass – trotz aller Differenzen – der Dialog innerhalb und zwischen den globalisierungskritischen und sozialen Bewegungen und mit der Bevölkerung weiter voran kommt, Wirkungen zeigt. Wirkungen, die die weltweiten Kreise und Tafelrunden der Mächtigen in Politik und Wirtschaft zunehmend stören.
Montagsdemo gegen Hartz IV (Magdeburg 2004) Autobahnblockade gegen Studiengebühren (Frankfurt 2006) Proteste gegen G 8-Gipfel (Heiligendamm 2007)
neueWUT III – DAS WAR DER GIPFEL! setzt die mit neueWUT (2005, 90 min.) und KICK IT LIKE FRANKREICH – DER AUFSTAND DER STUDENTEN (2006, 95 min.) begonnene Langzeitbeobachtung über soziale Proteste in Deutschland fort. Da viele DemonstrantInnen sich bereits seit Jahren in der Protestbewegung engagieren, werden auch einige ProtagonistInnen wieder auftauchen, die bereits in den vorherigen Filmen eine Rolle gespielt haben. Zum Beispiel Pedram Shahyar von attac oder die Marburger StudentInnen, die das Wissenschaftsministerium in Wiesbaden besetzt haben.

Durch den langem Atem der dokumentarischen Beobachtung im Rahmen des Gesamtprojektes neueWUT seit 2003 – in der Gesamtschau der dann drei Filme – werden längerfristige Entwicklungen erkennbar. In Bezug auf die Protestbewegung, die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse sowie das Verhalten der "Obrigkeit". Im Rahmen einer Trilogie bildet neueWUT III – DAS WAR DER GIPFEL! den vorläufigen Abschluss der ersten Staffel dieser filmischen Langzeitbeobachtung.