Vereinzelter Protest oder neue soziale Bewegung?
Dokumentarfilm von Martin Keßler (90 Minuten)
Der Hintergrund:

Immer mehr Bürger misstrauen inzwischen den Verheißungen, neue Arbeit und Wohlstand werde nur durch immer weiteres Sparen, durch immer härtere Schnitte ins soziale Netz oder Lohnkürzungen geschaffen. Eine Politik, die ohne Alternativen sei, wie die Regierung immer wieder erklärt. Immer mehr Bürger beklagen dagegen "die soziale Schieflage" der eingeleiteten oder angekündigten "Reformen". "Reformen", die immer öfter als "Abstraf-Aktionen" empfunden werden. Für all jene, die beim "Leistungsmarathon" in Betrieben und Unternehmen nicht mehr mithalten können oder "die unser Wirtschaftssystem schlicht nicht mehr braucht und sie deswegen auf Schmalkost setzt", wie ein Demonstrant erklärt.

Bis in die Mittelschichten grassiert die Angst vor dem sozialen Absturz. Und diese Angst bricht sich mittlerweile auf der Straße Bahn. Vermischt mit Wut. Eine Wut, die zum Teil durch Großdemonstrationen der Gewerkschaften kanalisiert werden, oder die sich spontan Luft machen, wie bei vielen Anit-Hartz- und Studenten-Protesten.
Gespaltener Protest: Bundesweite Demonstration gegen Hartz IV, Berlin, 2. Oktober 2004 Gespaltener Protest: Bundesweite Demonstration gegen Hartz IV, Berlin, 3. Oktober 2004
Auch in den Betrieben brodelt es, ob bei Mercedes, Opel oder VW. Die Automobilarbeiter sollen auf Lohn verzichten, millionenschweren Sparprogrammen zustimmen. Andernfalls seien die deutschen Produktionsstandorte in Gefahr. In Südafrika, Asien oder Polen könne man eben kostengünstiger produzieren, sagt das Management. Viele Beschäftigte wollen sich das nicht bieten lassen und ziehen vor die Werkstore. Doch wie dem Management die Stirn bieten? Streiken oder Verhandeln? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Auch innerhalb der IG Metall.
Paul Fröhlich, Vertrauensmann IG Metall, Opel Bochum Andreas Huhn, Vors. IG Metall Vertrauensleutekörper, VW Kassel Christoph Meyer, Vertrauensmann IG Metall, VW Kassel
Martin Keßler und sein Team haben u.a. die Proteste bei Opel Bochum (Herbst 2004) begleitet.

"Wir haben nicht nur mit den Automobilarbeitern über ihre Wut gesprochen", erläutert der Filmemacher, "sondern auch mit den protestierenden Arbeitslosen und Studenten. Für viele ist das Maß gestrichen voll. Die sind stinksauer. Nur wie schafft man es, all diese Zumutungen – von Studiengebühren bis Hartz IV – zu stoppen? Und wie soll eine andere Politik denn aussehen? Darüber ist man sich lange noch nicht einig".

Ob es sich bei den verschiedenen Protestwellen bereits um eine neue soziale Bewegung handelt, oder um einzelne "Scharmützel" bei der Verteidigung des bisherigen Sozialstaates. Auch darüber sind die Meinungen geteilt. Nicht nur unter den Demonstranten. Darüber und über andere grundlegende Fragen haben wir u.a. mit dem Sozialwissenschaftler Pater Friedhelm Hengsbach gesprochen. Auch mit Gewerkschaftsführern wie Frank Bsirske oder Michael Sommer. Und Politikern wie Wolfgang Clement, Oskar Lafontaine oder Gregor Gysi.
Andreas Ehrholdt aus Magdeburg, Initiator der Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV Die arbeitslose Barbara Willmann (rechts) und ihre Kolleginnen vom Altkleiderladen der Caritas, Frankfurt am Main Der Student Pedram Shahyar, Attac, Berlin